Drucken

Außerschulische Organisationen

 

Erste-Hilfe-Kids an der Grund- und Hauptschule Deggenhausertal

Erste-Hilfe-Kids an der Grund- und Hauptschule Deggenhausertal

Martin Mayer, Koordinator der Jugendrotkreuz-Schularbeit im Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes Baden-Württemberg e.V., berichtet von seinem Besuch in der ländlich gelegenen Modellschule im Deggenhausertal:

 
 

Die Gemeinde Deggenhausertal liegt nur wenige Kilometer von den Ufern des Bodensees entfernt. Mit seinen über 4000 Einwohnern auf einer Fläche von über 6000 Hektar ist Deggenhausertal eine der am dünnsten besiedelte Kommune im Bodenseekreis. Die Gemeinde Deggenhausertal wird aus insgesamt sechs Teilorten gebildet.

Die Schule selbst befindet sich im Teilort Wittenhofen. Sie ist die einzige Schule der Gemeinde Deggenhausertal, wird derzeit von 214 Schülerinnen und Schülern in den Klassenstufen 1-6 besucht (Grundschule und Orientierungsstufe der Hauptschule). In der Grundschule wird die Schule zweizügig und in der Hauptschule einzügig geführt. Etwa 90% der Schülerinnen und Schüler kommen aus den Teilorten und abseits gelegenen Gehöften zur Schule.

Auf dem Weg zur offenen Ganztagsschule
Die Schulleiterin, Frau Ursula Hefler, erinnert sich gut an eine Befragung der Schüler, bei der ein Wunsch deutlich hervortrat: „Ich wünsche mir einen Freund“. Als die politischen Rahmenbedingungen Wege zur Ganztagsbetreuung und zur offenen Ganztagsschule eröffneten, war die Schule in konstruktiver Kooperation mit dem Schulträger und dem Schulförderverein schon frühzeitig mit dabei, diese zu begehen. Schulleitung und Kollegium verloren dabei jedoch die Wünsche ihrer Schülerinnen und Schüler nicht aus den Augen. So kann Ursula Hefler heute von einer pädagogischen Realität und einer Aufgabe gleichzeitig sprechen, wenn sie sagt:“ Wir sehen Schule als sozialen Treffpunkt!Nicht als sozialen Brennpunkt."

Heute verfügt die Schule über eine Mensa, Kernzeitbetreuung, Angebote nach dem Lehrbeauftragtenmodell und dem Jugendbegleiterprogramm. An drei Tagen in der Woche (Montag, Dienstag und Donnerstag) stellt die Schule ein ganztägiges Angebot, das - und darauf legt die Schule großen Wert - durchgängig auch ein Bildungsangebot ist. Über 50% der Schüler nehmen an dem Ganztagsangebot teil. Ihr Schultag ist dann so strukturiert, dass sie vormittags am regulären Unterricht teilnehmen und nach der Mittagspause vielfältige weitere Angebote besuchen. Zur Zeit finden etwa 15 Angeboten statt. Sei reichen von „Lust auf Malen“ über „Computer“ und „Zirkus“ bis zu „Rund ums Pferd“.

Das vielfältige Angebot wird getragen von Lehrkräften (z. B. die Hausaufgaben-betreuung), außerschulischen Fachkräften im Rahmen des Lehrbeauftragtenmodells und den Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleitern.

DRK-Angebot durch Jugendbegleiter
Einer dieser Jugendbegleiter ist Herr Josef Bentele vom örtlichen Roten Kreuz. Er ist dort Bereitschaftsleiter und schon seit vielen Jahren mit Freude als Erste-Hilfe-Ausbilder tätig. An einem Nachmittag in der Woche kann er sich für sein Erste-Hilfe-Angebot in der Schule Zeit nehmen. Die Einrichtungen an der Schule (Kopierer, Lehrmittel aller Art) kann er im Rahmen seiner Aufgabe benutzen. Selbst für den außenstehenden Betrachter wird erkennbar, dass an dieser Schule der ehrenamtliche DRK-Jugendbegleiter Josef Bentele den Personen, die beruflich an der Schule tätig sind (Schulleitung, Lehrkräfte, Hausmeister) auf Augenhöhe begegnen kann.

Erste-Hilfe-Kids
Für Josef Bentele und Ursula Hefler ist klar, dass die Erste Hilfe ein wichtiges Thema und Teil dessen ist, was Menschen heute wissen müssen. Die Gruppe umfasste im ersten Schulhalbjahr sechs Kinder aus den Klassen 3 bis 6. Sie lernen mit der Zeit alles, was zur Ersten Hilfe gehört. Wenn dann alle aus der Gruppe richtig fit in Erster Hilfe sind, soll aus dem Jugendbegleiter-Angebot in Erste Hilfe unter der Bezeichnung „Erste-Hilfe-Kids“ ein richtiger Schulsanitätsdienst aus Grund- und Hauptschülern werden.

Josef Bentele orientiert sich in seiner Arbeit an den entsprechenden Arbeitshilfen des DRK zur altersgerechten Heranführung von Kindern und Jugendliche an die Erste-Hilfe-Themen. Angst, dass ihm in einem Jahr der Stoff ausgehen könnte hat er nicht, da die Ordner sehr umfangreiches und didaktisch aufbereitetes Material enthalten. Ein Erfolg des Angebotes ist bereits zu sehen: In der Erste-Hilfe-AG haben sich Freunde gefunden.

Schule und DRK als Partner
Auf dem Jahresprogramm der Gruppe stehen als Highlight noch die Erkundung der Rettungsleitstelle in Friedrichshafen und die Teilnahme am 19. landesweiten Schulsanitätstag. Josef Bentele sieht durch sein Erste-Hilfe-Bildungsangebot für die Kinder und Jugendlichen auch die Möglichkeit gegeben, mit dem Roten Kreuz und seinen hilfreichen Tätigkeiten näher in Berührung zu kommen. Die soziale Kompetenz zu stärken ist ein wesentlicher Bereich, in dem sich Schule und Rotes Kreuz als Partner begreifen können.

Die Bildungsplanreform 2004 und das Jugendbegleiterprogramm sind wichtige Beiträge zur Öffnung jeder Schule in Richtung ihrer sozialen Umgebung. Wichtige Voraussetzungen zur Entwicklung des Lern- und Lebensraumes Schule sind gegeben. Wir dürfen gespannt sein, welche Früchte die Kooperation in der Gemeinde Deggenhausertal trägt und wünschen dazu allen Beteiligten viel Erfolg.

Weitere Informationen:

Deutsches Rotes Kreuz und Jugendrotkreuz Landesverband Baden-Württemberg im Jugendbegleiter-Programm

Die Evaluation des Jugendbegleiter-Programms im Schuljahr 2015/2016 gibt einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand des Programms.

Zehnte Evaluation auf der Bildungskonferenz im Jugendbegleiter-Programm veröffentlicht

Die Evaluation des Jugendbegleiter-Programms im Schuljahr 2015/2016 gibt einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand des Programms. >>>